Dendrobium papilio, selten und wunderschön

Als beim diesjährigem Tokyo Dome, der bedeutendsten Orchideenausstellung der Welt oben genanntes Dendrobium den zweiten Platz erreichte, erinnerte ich mich daran, dass ich dieses Dendrobium schon lange suche. Ich hatte Pflanzen davon Ende der 1990er Jahre in der Gärtnerei Rosenheimer Orchideenzucht (heute O&M) gesehen. Damals aber nicht gekauft.

Sofort nachdem ich die Bilder der Tokyo Dome Champions gesehen hatte, nahm ich Kontakt mit Boscha Popow und anderen möglichen Bezugsquellen. Niemand hatte Pflanzen im Angebot.

Letztlich wurde ich bei O&M unter Neuimport Philippinen fündig und erstand Pflanzen, die bald darauf blühten. Allerdings nicht in der Blütengröße aus Japan (10cm) sondern in der Normalgröße 6 cm Blütendurchmesser.

Trieb der Pflanze

Pflanzen wurden von Loher 1897 für Standorte zwischen 1400m bis 2200m auf den Philippinen beschrieben. Sie haben grasartig verzweigende Triebe und werden kühl temperiert kultiviert. Anfällig für Spinnmilben. Meine Pflanzen stehen in feinem Rindensubstrat mit Perlite und werden mit Orchidfocus gedüngt.

Dendrobium papilio

Orchideenkultur- schwierig bei der Hitze

Obwohl ich ein eher mittelgroßes Gewächshaus für meine Pflanzen betreibe, habe ich Schwierigkeiten besonders kleine, aufgebundene Orchideen am Leben zu erhalten.  Arten kühler Nebelwälder sind da besonders anfällig. Ich versuche sie durch mehrfaches  Tauchen am Leben zu erhalten. Arten aus dem Hochland von PNG sind im Garten aufgehängt, sind  aber während solcher Hitzeperioden in ihrem Überleben bedroht.

Mehrmals am Tag besprühe ich alle Pflanzen im Gewächshaus, trotzdem sinkt die Luftfeuchte innerhalb einer Stunde auf unter 30%. Klar so ist das am Tag bei Sonneneinstrahlung auch in den Tropen, aber da sind die Pflanzen auch nicht in begrenzten Räumen eingefercht. Obwohl Ventilatoren die Luft rausblasen, steigt die Temperatur für mehrere Stunden auf 30°C.

Nur meine Dendrobien der Subtropen finden solche Bedingungen gut. Und meine wenigen Vandeen und Cattleyen. Auch Coelogynen kommen mit den Bedingungen zurecht.

Eria ornata mit faszinierender Blüte

Diese Orchidee habe ich früher oft in Büchern gesehen und dann habe ich sie zunächst nie auf einer Ausstellung oder in einer Sammlung blühend entdeckt. Ich muss sie aber wohl vor einigen Jahren einmal in Schwerte gekauft haben. Sie hängt im Dachfirst vom Temperierten Abteil in einer Blumenampel die Triebe haben so eine Art Stolonen zwischen Bulbe und nächster Bulbe, sodass die Pflanze recht ausladend wirkt. Da sie nie geblüht hat, ist sie etwas in Vergessenheit geraten. Sie steht in Rindensubstrat, welches aber im Dachfirst immer völlig trocken ist, bzw. einmal am Tag kommt Wasser in den Topf, mal weniger mal mehr und ab und zu Dünger.

Eria ornata

Pflanze stammt aus Südostasien und ist dort weit verbreitet, wächst in niedrigen Bergwäldern in Höhen zwischen 300 bis 1500m Höhe. Soll mit allen Temperaturen zurecht kommen. Das scheint zu stimmen, sie verzeiht Pflegefehler. Beschrieben von Lindley 1830.

Triebe von Eria ornata

 

Die eigentlichen Blüten sitzen zwischen einer Art Hochblättern und sind sehr unscheinbar. Lediglich der Gesamtblütenstand wirkt.

Chilochista parishii eine blattlose Orchidee

Ich habe absolut keine Ahnung ob diese Pflanze überhaupt bei mir wächst, aber sie scheint zu leben, denn sie hat jetzt mit 7 Blütenrispen geblüht. Das Besondere: diese Pflanze hat keine Blätter, sie besteht nur aus Wurzeln und einem Wachstumskegel aus dem Wurzeln und Blütentriebe generiert werden.

Chilochista parishii

Die Pflanze kommt aus Thailand, Myanmar, Indien und Vietnam sie wurde 1988 von Seidenfaden für den englischen  Orchideenkenner Parish benannt, der zwischen 1852 und 1878 in Burma Orchideen sammelte. Pflanze kommt zwischen Meereshöhe und 700 m  in savannenartigen Wäldern vor. Sie sollte warm kultiviert werden. Ich habe sie von der Schwerter Orchideenzucht, welche sie wahrscheinlich aus Thailand importiert hat. Sie ist auf einem Holzbrett aufgewachsen, welches ich regelmäßig tauche.

Warum wachsen meine Orchideen eigentlich jetzt im Sommer nicht so richtig ?

Einige Bemerkungen zur Biologie der Orchideen

Tropische Orchideen stammen aus Gegenden mit ungefährer Tag- und Nachtgleiche, d.h. 12 Stunden steht Licht zur Verfügung und 12 Stunden kein Licht. Viele Orchideen der Tropen, wenn nicht sogar die meisten, benutzen für ihre Fotosynthese das sog. CAM Verfahren. Dabei wird während der Nacht Kohlenstoffdioxid in den Pflanzengeweben gespeichert und am Tag von den Chlorophyll-Molekülen in Zucker umgewandelt. Die Fotosynthese bei tropischen Orchideen beginnt bei ungefähr 1500 Lux und endet bei 50 000 Lux, wobei diese 1500 Lux den sogenannten Kompensationspunkt beschreiben. Ab diesem Wert (und darunter) übersteigt die Produktion des Zuckers seine Veratmung . Neben der Beleuchtung ist auch die Temperatur ein begrenzender Faktor: Oberhalb von 30°C finden sehr wahrscheinlich keine Stoffwechselprozesse in den Pflanzen mehr statt. Der erzeugte Zucker wird nachts veratmet, man kann auch sagen, verbrannt, um Energie für das Wachstum bereitzustellen. Dabei wird Sauerstoff verbraucht. Da aber in unseren Sommern noch bis fast 22 Uhr Beleuchtungsstärken von mindestens 1500 Lux herrschen und die Temperatur auch noch sehr hoch ist, kann die Veratmung nicht stattfinden, da die Spaltöffnungen nicht geöffnet werden, um Wasserverlust zu vermeiden. Ab ca. 5.00 Uhr ist es wieder hell, die Spaltöffnungen sind wieder geschlossen. Zwar wird Zucker produziert, aber an Wachstum ist nicht zu denken, denn die Pflanze ist ja mit Überleben beschäftigt. Erst wenn die Tage wieder kürzer werden und so langsam eine Tag und Nachtgleiche erreicht wird, kann die längere Dunkelphase zum Wachstum genutzt werden. Streng genommen wachsen unsere Orchideen im Dunkeln.

Übrigens:

Im Winter reicht bei den Kurztagen die Sonneneinstrahlung oft nicht aus, um genügend Zucker zu produzieren, und damit ist dann der Energiemangel der wachstumshemmende Faktor.

Nanodes medusae oder Epidendrum medusae

Eine der wirklich spektakulärsten Arten aus Südamerika ist Nanodes  medusae oder wie sie jetzt heißt Epidendrum medusae.

Ich habe sie vor vielen Jahren bei der Firma O&M in München gekauft, sie ist sogar einmal fast gestorben, aber jetzt hat sie nach Jahren der Erholung wieder einmal geblüht.

Sie wächst als Epiphyt in immerfeuchten Bergnebelwäldern in Ecuador in Höhenlagen zwischen 1800-2700m über NN. Sie hat auffällige, graugrüne, merkwürdig flach zusammengepresste Blätter und blüht endständig mit bis zu drei Blüten.

Sie wurde 1889 von Pfitzer beschrieben.

Kultur aufgebunden auf Korkeiche mit Sphagnumunterlage im Kalthaus, mäßig gedüngt. Blüht im Frühsommer. Sollte nach der Blüte an der Basis verzweigen, also neue Triebe entwickeln.

Dendrobium tiongii, was ist das ?

Kaum ein Dendrobium, welches in den vergangenen Jahren beschrieben wurde, hat bezüglich seines Namens schon soviel erlebt. Ursprünglich 2009  von der Arbeitsgruppe um Mark Clement in Australien in einer eigenen Gattung als Coelandria armeniaca platziert (übrigens im Orchideenjournal). Diese Arbeitsgruppe hat in den vergangenen 25 Jahren viele obskure Gattungen geschaffen, die allerdings nach der Revision der Gattung Dendrobium durch Schuiteman et al. 2010, alle wieder bei Dendrobium gelandet sind.  Wahrscheinlich ist es sowieso keine neue Art, sondern eine Varietät von Dendrobium bullenianum, welches schon 1862 von Reichenbach f. beschrieben wurde.

Ich hatte mir die Pflanze vor vielen Jahren als Dendrobium striatum gekauft, wobei in der Lippe Streifen zu sehen sein sollten, allerdings hat meine Pflanze einen roten Fleck.

Heute (seit 2010) trägt diese Pflanze den Namen Dendrobium tiongii, nach George Tiong, einem Freund von Jim Cootes. Sie kommt wohl auf Luzon und Mindanao in Höhen zwischen 500 bis 1000 m vor.

Kultur kleiner Topf, wasserdurchlässiges Substrat. Regelmäßig düngen, während der Wachstumszeit.

Dendrobium aggregatum, große Pflanze mit vielen Blüten.

Endlich bin ich bei der Kultur von einigen meiner Dendrobien da angekommen,  wo ich seit vielen Jahren hinwollte. Wie schon erwähnt, versuche ich seit Längerem mir etwas größere Pflanzen zuzulegen und nicht jede Orchidee um jeden Preis zu kaufen. Das zahlt sich jetzt aus, denn größere Exemplare blühen viel reichlicher. So auch diese hier gezeigte Dendrobium aggregatum, sie hat 14 große Rispen, die seit jetzt 3 Wochen blühen.

 

Kultur sehr hell im Winter im Kalthaus mit wenig Wasser, damit die Infloreszenzen entstehen können. Düngung während des Wachstums im Sommer mit Orchid Focus.

Pflanze kommt aus China, Indien, Laos, Vietnam und  Thailand Höhenlage 500 -1300 m über NN und wächst in laubabwerfenden Trockenwäldern. Sie wurde 1832 von Roxburgh beschrieben.